Geschichte
Die Inseln der Glückseligen umspannen seit der Antike zahlreiche Mythen. Die Faszination einer glücklichen Gesellschaft irgendwo im Westmeer mit wenig Arbeit bei ewig frühlingshaftem Klima machen den Reiz von El Hierro aus.
Als gesichert gilt, dass um 1100 bis 800 v.Chr. die Phönizier vom heutigen Cadiz aus kommend als kühne Seefahrer den Atlantik bereisten und vermutlich alle Kanarischen Inseln entdeckten. Ihnen verdanken die sieben Eilande auch den Namen Purpurinseln.
Phönizier als erste Entdecker
Denn hier fanden die Phönizier die begehrte Färberpflanze, die Orchilla-Flechte und nahmen sie mit in ihre Heimat. Die daraus gewonnenen Purpurstoffe wurden zu ihrer wichtigsten und begehrtesten Handelsware.
Mantel des Vergessens
Die geographische Lage El Hierros wie aller Kanarischen Inseln war früh bekannt. Bereits im Jahre 85-160 n. Chr. wurde sie durch den Mathematiker und Geographen Ptolemäus exakt bestimmt, der den ersten Nullmeridian auf das Kap Orchilla an der Westspitze der Insel legte.
Bis zur Entdeckung des Amerikanischen Kontinents galt El Hierro als der westlichste Punkt am Rande der Weltscheibe. Erst 1883 wurde der Nullmeridian nach Greenwich verlegt. Trotz dieser bedeutenden Markierung legte sich ein Mantel des (europäischen) Vergessens über die Insel des ewigen Frühlings.
Wiederentdeckung im Mittelalter
Im 13. Jahrhundert brachen Seefahrer und Händler auf, um neue Märkte zu erschließen. Sie stießen erneut auf die Kanaren und fanden ein Volk vor, das in einer jungsteinzeitlichen Kultur lebte. Um so mehr waren die Seefahrer über die europäischen Züge der Einheimischen verwundert. Bis heute existieren unzählige Thesen darüber, woher die Ureinwohner kamen.
Rätselhafte Besiedlung
Ein Erklärungsversuch geht davon aus, dass nordafrikanische Berberstämme um 500 v.Chr. die Kanarischen Inseln besiedelten. Genetische Untersuchungen und die Nähe zu Afrika unterstützen diese Annahme. Ihre einfachen Schiffe jedoch sprechen dagegen und machen eine andere These ebenso wahrscheinlich.
Der zufolge kamen die Ureinwohner von der Iberischen Halbinsel. Denn die Meeresströmungen und Winde zwischen Marokko und den Kanaren dürfte die Navigationstechnik der Berber überfordert haben. Somit ist es nicht auszuschließen, dass die Besiedlung vom spanischen Cadiz oder der portugiesischen Algarveküste aus begann.
Urbevölkerung, die Bimbaches
Man geht davon aus, dass die Altkanarier auf El Hierro, die Bimbaches, weder Kontakt zu Afrika noch zu ihren Nachbarinseln hatten. Das eher friedliche Volk lebte in einer Steinzeitkultur, sie bewohnten Höhlen oder Hütten aus Trockensteinmauern, waren überwiegend Bauern und Hirten, die sich auch vom Fischfang ernährten und kleideten sich in Felle. Die Sozialstruktur der Bimbaches gilt als hochentwickelt.
Nach der Eroberung durch die Spanier im 15. Jahrhundert führte die rasch voranschreitende Assimilation zum weitgehenden Verlust der altkanarischen Kultur. Heute findet man nur noch wenige Reste der Sprache in Ortsnamen wie etwa Tigaday oder Guarazoca wieder.
Untergang der Bimbaches-Kultur
Nachdem der normannische Adlige Jean de Bethencourt 1402 Lanzarote und zwei Jahre später Fuerteventura der spanischen Krone angegliedert hatte, zog er weiter nach El Hierro. Bethencourt handelte vom kastilischen König unterstützt unter dem Deckmantel christlicher Mission - doch sein Interesse war eher wirtschaftlicher Art.
Durch einen Hinterhalt nahe der Bahia de Naos gelang es den Konquistadoren 1405, den König Armiche mit seinen stärksten Männern zu unterwerfen und als Sklaven zu verkaufen.
Die übrigen Bimbaches gaben ihren Widerstand auf und arrangierten sich mit dem Leben unter den Eroberern. Bald übernahmen sie weitgehend deren Kultur, auch die eigene Sprache verschwand. Bereits 1514 wurden sie den Spaniern rechtlich gleichgestellt. Es etablierte sich ein Feudalsystem, das sich bis ins 19. Jahrhundert aufrecht erhielt.
Los Letreros
Mit den Los Letreros bei El Juan und Felsinschriften an andren Orten haben die Bimbaches Spuren hinterlassen. Die in die Felsen eingravierten, durch die Witterung stark beeinflussten Felszeichnungen geben den Wissenschaftlern noch immer Rätsel auf. Viele konnten bis heute nicht entschlüsselt werden, so ranken sich weiter faszinierende Legenden um ihre Bedeutung und Herkunft.
Exportversuche
Zuckerrohr und Wein waren lange Zeit, bis in das 20. Jahrhundert hinein die wichtigsten Exportartikel der Kanaren. Die auf Feigenkakteen lebende Cochinille-Schildlaus und die leuchtend orangerote Färberflechte Orchilla lieferten begehrte rote Farbstoffe. Als die Kanarischen Inseln 1852 zur Freihandelszone erklärt wurden, war wirtschaftlicher Aufschwung zu verzeichnen. Der natürlichen Farbstoffe sowie Kalk und Soda konnten gewinnträchtig verkauft werden.
Zusammenbruch und Auswanderung
Doch schon kurze Zeit darauf brach mit der Erfindung synthetischer Farbstoffe die viel aufwendigere Cochenille-Produktion zusammen. Vor diesem Hintergrund wirtschaftlicher Not kam es Ende des 19. Jh. zur zweiten Auswanderungswelle. In Kuba und Venezuela suchten viele ihr Glück.
Und heute?
Als 1975 Franco starb, setzte sich König Juan Carlos für die Einführung der Demokratie ein. Die Canarios hatten so erstmals die Chance, ihre eigene regionale Regierung zu wählen. Im Jahr 1982 erhielten die Kanaren den Autonomiestatus, unterteilt in die Provinzen Gran Canaria und Teneriffa, zu der El Hierro gehört.
Bei Spaniens Eintritt in die Europäische Gemeinschaft, räumte man den Kanaren einen Sonderstatus mit Absatzgarantie bei Bananen ein, der Mitte der 90er Jahre wieder aufgehoben wurde. Seither hat die kanarische (Land-)Wirtschaft empfindliche Einbußen hinnehmen müssen.
Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus
Die Regionalregierung der Insel setzt heute auf die vier Wirtschaftszweige Viehwirtschaft, Fruchtanbau, Fischerei und Tourismus. Durch gezielte Förderprogramme werden die einzelnen Bereiche unterstützt.
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